Irrtümer & Fehleinschätzungen
Geruch durch Schweiß
Falsch: Schweiß verursacht Körpergeruch
Der menschliche Schweiß ist an sich völlig geruchslos. [1] Er wird von etwa 2 bis 4 Millionen ekkrinen Schweißdrüsen ausgeschieden, welche sich über die gesamte Hautfläche verteilen. Durch die großflächige, an bestimmten Körperregionen jedoch konzentrierte Verteilung kann bei starkem Schwitzen ein durchgängiger Schweißfilm entstehen, da die ausgegebene Schweißmenge nicht mehr schnell genug verdunsten kann. Befindet sich der Schweiß längere Zeit an der Luft, so beginnt die ortständige Keimflora, d.h. die auf der Hautoberfläche lebenden Bakterien, das Sekret zu zersetzen. Bei dieser Auflösung des Schweißes in seine Bestandteile entstehen Stoffwechselprodukte, die für die menschliche Nase sehr abstoßend riechen. Besonders Buttersäure und kurzkettige Fettmoleküle nehmen wir als typisch beißenden Schweißgeruch wahr.
Bei der Bildung von Körpergeruch spielt es nicht unbedingt eine Rolle, wieviel der Mensch schwitzt. Auch wenig sichtbares Schwitzen kann bereits starke Gerüche auslösen. Die Art des Geruchs und die Dauer bis zur Ausbildung eines charakteristischen Geruchs hängt dabei von der individuellen Keimflora ab. Denn nur bestimmte Bakterien erzeugen starken Geruch. Forscher vermuten, dass eine bestimmte Bakterienart namens Brevibacterium epidermis für die größte Geruchsbelästigung verantwortlich sei. Bakteriell abgebaute Fettsäuren ergäben den charakteristischen käseartigen Geruch, z.B. bei Schweißfüßen, so die Wissenschaftler. Der für seinen aparten Geruch berüchtigte "Limburger Käse" reift unter Zuhilfenahme des nah verwandten Bakteriums Brevibacterium linens. [2] Jeder Mensch verfügt über eine eigene Zusammensetzung der einzelnen Keimarten. Ist die besagte Bakterienart vermehrt vorhanden, so ist auch mit vermehrtem Körpergeruch zu rechnen.
Krankhafter Körpergeruch hat nichts mit Hygiene zu tun
Bromhidrosis nennt der Fachmann die recht häufige, doch weitgehend unbekannte Krankheit, bei der sich fortwährend Körpergeruch bildet, ohne dass der Betroffene etwas dafür kann. Bei einer Bromhidrose sind vorallem hyperaktive apokrine Schweißdrüsen an der Entstehung übler Gerüche beteiligt. Die talgartigen apokrinen Sekrete enthalten besondere Duftstoffe und werden ebenfalls von Bakterien zersetzt. Lesen Sie mehr zur Bromhidrose hier.
[1] Ausnahmen: während der Pubertät kann aufgrund der hormonellen Umstellung auch ekkriner Schweiß riechen. Bei dem seltenen TMAU-Syndrom riecht der Schweiß deutlich nach Urin.
[2] Bart Knols, Agricultural University, Wageningen (NL, Preisträger des Ig Nobel Prize for biology research
Relevanter Artikel: Lenzer J. "The importance of smelly feet and stinky cheese" BMJ Magazine 10/14 2006
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