Ursachen des Schwitzens
Schwitzen: Ursachen und Gründe
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Übermäßiges Schwitzen kann viele verschiedene Ursachen haben. Deshalb ist es immer wichtig, neben einer Behandlung der Symptome (z.B. Reduzierung des Schwitzens durch Antitranspirante) auch die Ursachen zu erforschen. Bei leichteren Schweißproblemen kann dies ggf. experimentell in Eigenregie erfolgen (z.B. Umstellung der Ernährungsgewohnheiten, Verzicht auch Alkohol, Nikotin, Koffein), bei krankhaftem Schwitzen jedoch ist eine ärztlich begleitete Ursachenforschung unerlässlich. Viele mögliche Ursachen sind bereits unter dem Punkt → "Krankhaftes Schwitzen" genannt worden. Deshalb sollen an dieser Stelle nur die häufigen und typischen Ursachen für starkes Schwitzen näher betrachtet werden.
Typische Ursachen für starkes SchwitzenSchwitzen in der PubertätStarkes Schwitzen, bei dem sichtbare Schweißflecken und ekliger Schweißgeruch entstehen, kennen viele Pubertierende leider aus eigener Erfahrung. Es sind die Hormone, welche im Körper verrückt spielen und die Schweißdrüsen durcheinanderbringen. Folge ist übermäßige Schweißbildung, nicht nur unter den Armen sondern auch im Gesicht, am Rücken, an den Händen und sogar am Po! Und das schlimmste dabei: jeder sieht es, jeder merkt es! Im Internet, in Onlineforen, auf Boards und beim chatten stellen Jugendliche sinngemäß immer wieder die gleiche Fragen:
Den Heranwachsenden kommt dabei die von vielen Erwachsenen oft leichtfertig gescholtene Anonymität des Internets zu Gute. Ohne die Möglichkeit, sich anonym unter "falschem Namen" (nicks) über Probleme aller Art auszutauschen, hätten es viele Jugendliche noch schwerer. Im Internet finden auch diejenigen Gehör, die sich im wahren Leben niemanden anvertrauen können. Wer stark schwitzt zieht sich ohnehin "gerne" aus der Gesellschaft zurück und oft fehlt es an Vetrauen oder sogar an Freunden, um sich mitteilen zu könnnen. Schwitzen wie ein Schwein?Viele Teenager leiden tatsächlich während der Pubertät unter massivem Schwitzen und verstärktem Körpergeruch. Sie fühlen sich schrecklich dabei, schmutzig und hassen sich selbst dafür. In der Schule oder im Lehrbetrieb, auf Feten, in Discos oder generell unter Menschen werden sie dafür gehänselt, ausgelacht, ausgegrenzt. Was denken Jugendliche über Ihr Schweißproblem?
Peinlich! Jugendliche, die stark Schwitzen, vermeiden am liebsten ...
Eltern und Freunde haben oft kein Verständnis ...
Dass andere wenig Verständnis dafür haben, wie sehr man unter dem Schwitzen leidet, und wie weit einen das Problem einschränken kann, das ist nicht nur bloße Einbildung emotional bewegter Heranwachsender, die ihr Leben während der Adoleszenz subjektiv als besonders dramatisch empfinden. Vielmehr bestätigt eine aktuelle Studie der Hamburger Beiersdorf AG [1], dass Teenager in der Tat schneller und stärker schwitzen und zudem schneller Körpergerüche entwickeln. So erhöhte sich in der Beiersdorf-Studie die Schweißmenge gestresster Jungen im Schnitt um das 24-fache. Bei den Mädchen lag der Stresswert sogar mehr als 40-fach höher im Vergleich zur Schweißmenge im entspannten Zustand.
Leistung auf Knopfdruck! Erfolgszwang! Die Anforderungen von Schule und Beruf zwingen Jugendliche immer wieder in Situationen, in denen Stress unausweichlich ist. Verstärktes Schwitzen ist oft die Folge.Die extreme hormonelle Umstellung während des körperlichen Heranreifens steuert die Funktion der schweißbildenen Drüsen in erhöhtem Maße. Diese ekkrinen Schweißdrüsen arbeiten dann verstärkt und reagieren schon auf kleinste körperliche Anstrengungen. Den größten Effekt – jedoch völlig unabhängig von Außentemperaturen oder körperlicher Bewegung – haben allerdings Hormone, die durch emotionale und psychische Signale ausgeschüttet werden, allen voran Stresshormone (Adrenalin). So erklärt sich auch die oft von Heranwachsenden beschriebenen Schweißausbrüche in der Schule, z.B. während Klassenarbeiten oder Referaten. Obwohl in diesen Momenten keine anstrengenden Bewegungen ausgeführt werden und die Zimmertemperatur moderat ist, schwitzen die Betroffenen ungehemmt. Aus neurologisch und psychologischer Sicht ist das Gehirn Jugendlicher nur vermindert in der Lage, die Vielzahl von Reizen und Eindrücken während der Pubertät zu verabeiten, ohne dabei in Stress zu geraten. Es ist weniger belastbar als Gehirne von prepubertären Kindern, deren neurologische und mentale "Unreife" es noch zulässt, Eindrücke aller Art regelrecht "aufzusaugen". Ebenso ist das pubertäre Gehirn weniger belastbar als das von reifen Erwachsenen, da es sich in einem Wachstums- und Wechselprozess befindet, der sich im Alltag ständig durch Gereiztheit, Konzentrationsschwäche oder mentale Erschöpfung äußert. Dies hat zur Folge, dass ständig Stresshormone freigesetzt werden, welche die gefürchteten Schweißausbrüche auslösen. Auch die Intensität des Körpergeruchs, insbesonders des Achselgeruches nimmt laut der o.g. Studie bei Jugendlichen in kürzester Zeit zu. Jungen – vermutlich durch ihre höheren Testosteron-Werte – zeigen dabei eine deutlich stärkere (d.h. markantere) Geruchsentwicklung als die Mädchen, welche durch die vermehrte Bildung von Östrogenen weniger (und anders) riechen. Diese Erkenntnisse beweisen, dass auch die apokrinen Schweißdrüsen, welche vorallem Geruchsstoffe ausscheiden, während der Pubertät besonders aktiv sind.
Jugendliche, die meiden – Jugendliche, die leiden…Die Wahrheit kann grausam sein, so sagt man, und in Bezug auf das Schwitzen trifft dies leider auch zu. Besonders Jugendliche haben eine unmissverständliche, geradezu unbarmherzige Ausdrucksweise in Bezug auf diese delikate Angelegenheit:
So oder ähnlich klingt es, wenn Pubertierende über das Problem "Schwitzen" reden, obwohl es sie eigentlich alle (mehr oder weniger) in gleichem Maße betrifft. Trotzdem werden “Schwitzer” gemieden und verspottet, nicht nur hinter vorgehaltener Hand. Ausgrenzung in der Klasse und tägliches Mobbing sind oft die Folge.
Ausgegrenzt sein: Jugendliche kommen mit sozialer Ächtung nur schlecht zurecht und leiden sehr darunter. Derartige Störungen der sozialen Entwicklung können auf Dauer das Schwitzen verstärken und zu psychologischen Problemen führen, die über eine medizinische Behandlung hinaus ggf. auch eine psychologischen Betreuung verlangen.Die hier beschriebenen Alltagsprobleme durch das Schwitzen sind in einem Alter, in dem Dinge wie
besonders wichtig sind, für Heranwachsende sehr belastend. Dauerhafte Störung der sozialen Entwicklung durch Schwitzen und Schweißgeruch können zu Verhaltens- und Persönlichkeitsstörungen führen. Gesellschaftlicher Rückzug, Zwangshandlungen (z.B. Waschzwang), aber auch Depressionen sind manchmal die Folge. Es sind Störungen, die nicht nur bis in das spätere Erwachsenenalter übernommen werden. Sie können das vegetative Schwitzen auch weiter verstärken (Hyperhidrosis). Deshalb gilt, es das Schweißproblem schon früh ernst zu nehmen und rechtzeitig zu behandeln.
“Schwitzen ist gesund, also sei doch froh!”Typische Bemerkungen wie diese, von Erwachsenen, besonders von Eltern, gegenüber Jugendlichen sind falsch und kontraproduktiv. Selbstverständlich ist Schwitzen gesund und lebenswichtig, dess es dient der natürlichen Regulierung unserer Körpertemperatur. Wann jedoch der Schweiß für Jugendliche zur echten Belastung wird und in welchem Maße, kann nicht von Außenstehenden nachvollzogen werden, nicht mal von den engsten Vertrauten. Das Schweißproblem lässt sich auch nicht in Millilitermengen messen bzw. durch medizinischen Diagnosen bestimmen. Schon geringe Mengen Schweiß, an deutlich sichtbaren Stellen wie z.B. auf der Stirn oder an den Händen, können Jugendlichen in der Schule schwere Probleme bereiten. Wenn der Schweiß in die Augen läuft oder die nasse Hand auf der Tafel glänzende Flecken hinterlässt haben alle was zu lachen – nur die Betroffenen nicht. Solche Probleme zu erkennen, ist im Rahmen eines offenen Dialoges zwischen Eltern und Kind wichtig. Hier ist deutlich mehr Sensibilität und Feingefühl gefragt, als es das unappetitliche Thema "Schweiß" vielleicht vermuten lässt.
Unser TippJugendliche müssen starkes Schwitzen nicht hinnehmen, wenn sie darunter leiden. Schon ab einem Alter von 12 Jahren sind sanfte Antitranspirante zu empfehlen. Diese stellen eine kostengünstige und ungefährliche Möglichkeit dar, um den Schweißfluss zu reduzieren. Antitranspirante der 3. Generation schonen die Haut und sind dermatologisch getestet. Deshalb können sie auch von heranwachsenden Mädchen (besonders mit sensibler Haut) angewendet werden. Die "deoähnlichen" Mittel sind rezeptfrei erhältlich und kosten relativ wenig. Bei jüngeren Kindern sollten Eltern die ersten Anwendungen gemäß der beiligenden Gebrauchsanweisung beaufsichtigen. [1] Effective Prevention of stress-induced sweating and axillary malodor formation in teenagers, International Journal of Cosmetic Science, 01.07.2010
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